Thailand – ein Wespennest: 60er Jahre Vespa perfekt restauriert
Beitrag von Alexander Grawe on 10/21/07 • Kategorie Asien Stories,Drehorte
„Du willst eine 60er Jahre Vespa kaufen? Da gibt es in Bangkok nur eine Adresse! Vergiss den Rest. Om und Samai in der Soi Rong Mueang!“, versichert mir mein britischer Freund Johno. Er selbst hat eine wunderschöne 150er – natürlich in british-racing-green. Alle paar Wochen fährt er sie auf den Gepäckwagen eines Zuges der thailändischen Eisenbahn, reist irgendwo hin und entdeckt dann dort die Gegend mit seinem zweirädrigen Oldtimer – seine Frau auf dem Rücksitz. Hört sich traumhaft an.

Vespa Baujahr 1968
Sind wir doch mal ehrlich: all diese Yamahas, Suzukis und Hondas sind doch eine Beleidigung fürs Auge. Eine fahrende Wespe (Vespa) hat Stil und Charme.
Also mache ich mich auf den Weg nach Chinatown, das eindeutige Wespennest Bangkoks. Hier sieht man Inder die mit ihrer Vespa 30 Stoffballen transportieren, Chinesen mit der ganzen Großfamilie auf dem Sozius und Halbstarke mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die Gassen fahren. In der Soi Rong Mueang finde ich schließlich den Laden von Om und Samai – auch wenn ich es erst kaum fassen kann, dass mein Freund das hier ernst gemeint hat. Die Werkstatt ist nur etwa fünfzehn Quadratmeter groß, voll geparkt mit bestimmt zehn Vespas. Der Boden ist ölverschmiert, an den verrußten Wänden hängen Bilder vom thailändischen König mit Vespa und ein Filmplakat von „Roman Holiday“ – der Roller-Kultfilm mit Gregory Peck und Audrey Hepburn.
Om begrüßt mich sofort herzlich, bietet mir einen Hocker an und gibt mir eine Cola in einer Plastiktasse. Ihr Mann ist gerade noch dabei, schnell einen Ölwechsel zu machen. Mein Gespräch mit ihm wird etwa ein dutzend Mal unterbrochen – immer wieder kommen Kunden mit kleinen Problemen, die er im Handumdrehen löst. Jeder Vespa-Fahrer in Bangkok scheint hier her zu kommen.
„Also, ich hätte gerne eine Vespa aus den Sechzigern…“, fange ich an, „…am liebsten in weiß. Mit großem Sattel, weil ich Leute mitnehmen will.“ Ich erkläre ihm all meine Wünsche und bitte ihn, mir bescheid zu sagen, wenn er mal von einem passenden Roller hört. „Ich kann Dir Deine Vespa machen, dauert sechs Wochen“ sagt Samai vollkommen selbstverständlich. „Ich habe hier eine 150 Sprint, Baujahr 1968. Habe ich vor ein paar Tagen gekauft. Die kann ich Dir herrichten. Du kannst bestimmen wie sie aussehen soll. Willst Du sie Dir mal anschauen?“
Im hinteren Teil steht ein total heruntergekommenes Chassis, die anderen Einzelteile liegen in einem Pappkarton daneben. Samai merkt offenbar, dass ich der Sache nicht so ganz traue und beruhigt mich. Lediglich 5.000 Baht Anzahlung soll ich ihm machen. Restzahlung nur, wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Ich wähle also Farbe, Sattel, Griffe, Spiegel usw. aus, und genieße die Vorfreude.
Die Vespa wurde 1946 im Auftrag von Enrico Piaggio entwickelt. Sein Ingenieur war Corradino D’Ascanio – ein Konstrukteur von Kriegsflugzeugen. Der Krieg war vorbei und es herrschte Not.
Die Vespa sollte einfach, sparsam und leicht fahrbar sein – und mit den vorhandenen Produktionsanlagen zu bauen sein. Weil Corradino nie zuvor Motorräder konstruiert hatte, ging er völlig unvoreingenommen an diese Aufgabe heran.
Die Kunden, die zumeist noch unter den Entbehrungen des Krieges zu leiden hatten, benötigten ein kostengünstiges Fahrzeug, dem auch das Befahren schadhafter Straßen nichts anhaben konnte. Aus diesen Beschränkungen heraus entstand ein genial einfaches Konzept, die Vespa.

Vespa Baujahr 1968
In den fünfziger Jahren wurde die Vespa auch in Asien bekannt und zu einem Lieblingsfahrzeug insbesondere der jungen Generation. Die meisten Vespas kamen in den Sechzigern und Siebzigern nach Thailand. Danach verebbte das Geschäft, weil Autos erschwinglicher wurden und japanische Motorroller der Vespa Konkurrenz machten.
Heute erlebt die Vespa eine Renaissance. Auf Bangkoks Strassen sieht man immer häufiger perfekt restaurierte Roller. Vor allem unter Studenten ist die Vespa total angesagt.

Vespa 150
Meine Vespa hat dann doch acht Wochen statt sechs Wochen gedauert – aber das ist in Thailand ja üblich so. Als ich sie abhole, kann ich mein Glück kaum fassen. Eine Vespa als wäre sie gerade vom Fertigungsband gelaufen. Zu Om und Samai bin ich inzwischen schon öfter mal zurückgekehrt, nicht weil es ein Problem mit meiner Vespa gäbe, die läuft perfekt, sondern einfach zum fachsimpeln und Cola aus der Plastiktasse trinken.
Wichtig beim Kauf:
Es gibt auch Vespas aus indischer Produktion. Experten raten davon ab. Offenbar sind diese Roller schlechter gefertigt, als die aus original italienischer Produktion.
Seit einiger Zeit bekommt man in Thailand keine neue Zulassung mehr für Zweitakter. Das heißt, wenn man hier im Königreich damit fahren will, muss noch eine Zulassung existieren, die dann auf den neuen Besitzer umgeschrieben wird. Eine alte Vespa ohne Zulassung ist nur noch für den Export geeignet.
Eine perfekt restaurierte Vespa gibt es je nach Typ und Ausstattung ab etwa 50.000 Baht.



Wahnsinn, colle Vespa! Viel Spaß damit
[von so einer kann ich nur träumen]
Ciao,
schicke vespa.. Hab auch eine von1968 50N in der gleichen Farbe. Der Helm ist auch sehr cool. Wo haben Sie den gefunden?(ebay?)
Hallo!
Den Helm habe ich auch in Bangkok gekauft – an einem Stand auf dem Chatuchak Wochenendmarkt. Der genügt aber mit Sicherheit nicht europäischen Sicherheitsvorschriften….
Beste Grüße,
Alexander Grawe
hallo
Sind die 50.000Baht mit oder ohne gruenes Buch?
gruesse
Hallo!
Wenn Sie mit “gruenes Buch” die thailändische Zulassung meinen – ja, die habe ich dazu bekommen.
Beste Grüße,
Alexander Grawe
Hallo Alexander!
Schöner Bericht den Du da geschrieben hast. Ich habe vor etwa einem Jahr eine 64er VBB von Khun (Sa-) Mai gekauft und restaurieren lassen. Ich bin genauso begeistert wie Du auch. Lass uns doch mal fachsimpel…
Viele Grüße
Heiko
Hi,
ich hätte mal eine Frage, ich möchte auch eine Vespa kaufen. Könntest du mir einmal die Telefonnummer geben von den beiden. Was hast du bezahlt für deine schöne Vespa.
Liebe Grüße
Roland
Hallo,
die Telefonnummer ist die +66 89 801 0602. Allerdings wird da nur Thai gesprochen. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich damals 70.000 Baht bezahlt.
Lieber Gruß,
Alex