Kurioses auf den Märkten von Bangkok: Die elektrische Zigarette

Auch nach all den Jahren, die ich nun schon in Bangkok lebe, habe ich immer wieder Spaß an Besuchen in den diversen Elektronik-Kaufhäusern. In Deutschland gibt es diese Konstellation von hunderten kleiner Shops mit allem möglichen elektronischen Krims Krams unter einem Dach einfach nicht. Eine weitere Einzigartigkeit ist der allgegenwärtige Reparaturservice. Für jedes defekte elektronische Gerät findet sich nach etwas Suche ein Spezialist, der es sofort, an Ort und Stelle und für kleines Geld wieder repariert. Defektes Handy-Display? Kein Problem! Nach einer kurzen Snack-Pause in den allgegenwärtigen Food-Courts ist das Handy wieder funktionsbereit.

MBK Shopping Mall Bangkok - Bild: Christian Henrich

Elektrische Zigarette

Eine für mich neue elektronische Kuriosität habe ich kürzlich im MBK-Center, Bangkoks leicht chaotischer und bei allen Touristen beliebter Shopping-Mall entdeckt: eine elektrische Zigarette!

Elektrische was? Yeph, es gibt sie wirklich und wie ich jetzt erfahren habe, ist diese Innovation bei Rauchern, die von ihrer tödlichen Sucht weg wollen, in aller Welt bereits recht beliebt.

So funktioniert’s

Die E-Zigarette besteht aus einer Kartusche, einem Zerstäuber und eine wiederaufladbare Batterie. Sie enthält keinen Tabak, aber das sogenannte E-Liquid, das in der elektrischen Zigarette verdampft wird, gibt es mit drei verschiedenen Nikotin-Stärken. Neben Aromastoffen, die den Nebel der Strom-Zigarette geschmacklich aufpeppen, enthält das Liquid primär Propylenglykol. Diese Substanz ist für den Nebel zuständig und kommt auch in professionellen Nebelmaschinen, wie sie beispielsweise auf Bühnen oder in Discotheken verwendet werden, zum Einsatz.

Elektrische Zigarette - Bild: Elektronische-Zigaretten.net

MBK = Test vor Ort

Das schöne im MBK ist, dass man gleich an Ort und Stelle alles ausprobieren kann. Der Verkäufer chinesischer Abstammung hat gleich eine frische Patrone aufgesetzt und mich probieren lassen. Ich muss sagen: beeindruckend! Man zieht wie gewohnt an der Zigarette und wie gewohnt produziert das Ding tatsächlich „Rauch“ (strenggenommen ist es ja Nebel). Der Rauch ist sogar erwärmt, so dass die Illusion fast schon perfekt ist. Wenn man möchte, kann man weiterhin genüsslich den Zigarettenqualm in die Luft blasen – nur dass er sich eben recht schnell geruchlos verflüchtigt. Keine stinkenden Klamotten mehr, keine verqualmte Bude, keine Belästigung der Mitmenschen. Nicht schlecht!

Und der Geschmack?

Nun ja. Die Zigarette der Lieblingsmarke schmeckt immer noch anders. Aber wenn man ehrlich ist, schmeckt auch jede Cola anders. Gewöhnungssache schätze ich. Der Verkäufer ist der felsenfesten Überzeugung, dass nahezu jeder mit dem Tabakgeschmack-Liquid beginnt, letztendlich aber bei ganz merkwürdigen Geschmäckern endet. Vanille sei der Renner.

Gesündere Alternative

Vom Gesundheitsstandpunkt her ist die elektrische Zigarette mit Sicherheit die mit Abstand gesündere Alternative zu den Tabak-Glimmstängeln. Da keine Verbrennung stattfindet, gelangen auch keine Verbrennungsprodukte in die Lunge des Rauchers. Man nimmt zwar immer noch Nikotin zu sich, aber man kann über den Stoff sagen was man will, nicht das Nikotin tötet die Menschen, es ist der Zigarettenrauch, der den Menschen Krebs und andere Leiden beschert.

Alles in allem keine schlechte Sache denke ich, allerdings scheint die elektrische Zigarette nicht so richtig erlaubt zu sein. Zumindest in Thailand versucht man gerade, die Innovation vom Markt zu nehmen. Offizielle Begründung ist das darin enthaltene Nikotin. De facto ist es wohl eher so, wie es auch aus anderen Teilen der Welt berichtet wird. Das Geschäft mit der elektrischen Zigarette geht derzeit nicht nur an den großen Tabak- und Pharmakonzernen vorbei, es bedroht deren Unternehmungen sogar. So steht die elektrische Zigarette z.B. in direkter Konkurrenz zum Nicorette Inhaler, einem Nikotininhalator, der aussieht wie eine Mischung aus Asthmaspray und Crackpfeife. Bleibt abzuwarten, ob sich die E-Zigarette in dieser Form durchsetzen wird, denn wie Lobbyismus funktioniert, wissen die beiden Branchen nur allzu gut.

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