Khao Yai – ein Stück Toskana in Thailand
Beitrag von Alexander Grawe on 2/20/07 • Kategorie Asien Stories,Reise Tipps
„Damit Ihr hier auch mal was Anständiges zu Trinken habt.“ mit diesen Worten drückt mir mein Schwiegervater Werner ¬– gerade aus Deutschland angekommen – zwei Flaschen Moselwein in die Hand. Zugegeben: es gibt üblere Mitbringsel. Gegen einen schönen Moselriesling habe ich nichts einzuwenden, aber das Vorurteil meines Schwiegervaters, hier gäbe es nur Singha oder Wasser, das kann ich so nicht auf Thailand sitzen lassen.
Man muss nicht zwangsläufig den weiten Weg nach Barossa, ins Bordeaux oder den Napa Valley auf sich nehmen, um ein echtes Weingut zu besuchen. Einen Geschmack von Weintourismus mit thailändischem Einschlag bietet inzwischen auch die flügge gewordene thailändische Weinindustrie. Sieben Weingüter gibt es im Königreich und davon liegen drei in den Bergen von Khao Yai, etwa anderthalb Stunden von Bangkok entfernt. ‚Gran Monte’, ‚PB Valley’ und ‚Village Farm’ sind nahe genug beieinander um sie in einer kleinen Weintour zu verbinden, sei es an einem romantischem Wochenende zu zweit oder bei einem hedonistischen Gourmetausflug mit Freunden.
Wir waren vom Erholungswert der Tour begeistert. Unweit des Moloch Bangkok gibt es ein Stück Natur, das mit der Toskana mithalten kann.
Khao Yai ist keine Touristensause wie Rüdesheim am Rhein. Andererseits muss man aber auch kein ernsthafter Weinkenner sein um sich nicht zu blamieren. Keiner wird hier komisch schauen, wenn man nicht das Glas beschnuppert und gegen’s Licht hält. Man kann einfach den Wein genießen.
Zeit für Wein
Theoretisch ist es möglich die drei Khao Yai Weingüter in einem Tag zu besuchen. ‚Gran Monte’ und ‚PB Valley’ sind zwar direkte Nachbarn, ‚Village Farm’ liegt allerdings 80 Kilometer nordöstlich, in Wang Nam Khieo. Startet man von Bangkok aus, bedeutet das eine Menge Fahrerei und wenig Zeit zum Genießen. Außerdem gibt es da ja noch das kleine Problem mit dem Autofahren nach dem Konsum von Alkohol. Wir haben entschieden, uns zwei Tage Zeit zu lassen und einmal vor Ort zu übernachten. Es macht eigentlich keinen Unterschied, bei welchem Weingut man beginnt, also warum nicht in der Village Farm? Dort kann man gleich nach der Fahrt aus Bangkok mal Landluft schnuppern.
Charme der Alten Welt
Vierhundert Meter über dem Meeresspiegel liegt das sehr europäisch wirkende Weingut. Die Village Farm heißt so, weil es auf dem 80-Hektar-Gelände tatsächlich ein kleines Dorf der Weinarbeiter gibt. Der Besitzer Viravat Choivanich ist ein Gentleman alter Schule, der mit der Village Farm eine Welt geschaffen hat, die seine Liebe zur Natur, Tradition und den feineren Dingen des Lebens – wie klassische Musik, gutes Essen und guter Wein – widerspiegelt. Wir haben nach der Ankunft erst mal einen kleinen Spaziergang gemacht, entlang der Felder mit Blumen, Gemüse und Trauben natürlich. Das Anwesen liegt auf einem Hügel und es weht immer ein angenehmer Wind. Das Herzstück des Anwesens ist die ‚Alte Scheune’, ein offenes Gebäude, das früher zum Lagern von Mais und Kartoffeln genutzt wurde. Heute beherbergt es die Rezeption, das Restaurant, die Bibliothek, Gästezimmer im ersten Stock und einen kleinen Verkaufsschalter. Dort können Besucher Wein, ungefilterten Traubensaft, Traubenbonbons und Village-Farm-Kosmetika, wie zum Beispiel Trauben-Body-Lotion (280 THB) kaufen.
Rund um die Alte Scheune sieht es aus wie in einem Park: manikürte Rasenflächen, alte Weinfässer und Traubenpressen, verwitterte Ochsenkarren und schattige Kies-Alleen. Obwohl der Großteil der Weintrauben auf einem anderen Gelände rund 15 Kilometer entfernt angebaut wird, ist die Winzerei hier – in einem zweistöckigen Naturstein-Gebäude, das in den Berg hinein gebaut ist. Village Farm hat zwar keinen richtigen Verkostungsraum (in dem zum Beispiel an einer Theke vom Winzer eingegossen wird und ein bisschen was über den Wein erklärt wird) aber für 100 THB kann man einige der Weine probieren.
Die Village Farm ist ein sehr kleiner Hersteller und hier ist Weinmachen mehr Handwerk als großes Geschäft. Es gibt jeweils zwei Rot- und zwei Weißweine im Stil der Neuen Welt, darunter ein sehr schön leichter Chenin Blanc (390 THB). Ein bisschen teurer sind die Weine der Premium Marke des Weingutes „Chateau des Brumes“, benannt nach dem Morgentau („brumes“) der sich hier oft über das Weingut legt. Chateau des Brumes Weine sind „Französische Weine in Thailand hergestellt“ von einem französischen Winzer, Jacques Bacou, in französischem Stil.
Die Weine passen gut zum europäischen Essen mit thailändischen Akzenten in der ‚Cuisine de Vignerons’. Unsere Empfehlungen: die Salate mit lokalen organischen Zutaten, Steaks, gebratenes Straußenfleisch und der frittierte Camembert mit Trauben-Marmelade. Als Betthupferl haben wir uns eine Flasche Rotwein unter den Arm geklemmt und die Aussicht von unserer privaten Veranda genossen. Haben wir gut geschlafen!
Die Zimmer in der Village Farm variieren in Privatsphäre und Luxus. Alle Gäste können den wunderschönen Spa, den Swimmingpool und das Film-Zimmer nutzen. Ideal für Pärchen sind die Zimmer im Swiss Chalet (zwischen 3.750 und 6.400 THB), das Sunset Terrace House ist ideal für eine Gruppe von Freunden oder Familien (2.250 bis 3.200 THB).
Neue Welt Flair
Am nächsten Morgen nach einem handfesten Frühstück (diesmal Espresso, keinen Wein) waren wir bereit für die Fahrt ins Asoke Valley. Eigentlich wäre es schneller Richtung Norden zur Mitrapab Road zu fahren aber wir sind die weitaus interessantere Strecke gefahren, die die Einheimischen tangrad („Abkürzung“) nennen. Die Strasse verbindet die Thanarat Road und die Route 304 und verläuft parallel zu Thailands ältestem Nationalpark. Wir haben für die Strecke 90 Minuten gebraucht, aber wir mussten auch ein paar Mal wegen kreuzender Kuhherden anhalten. Die Landschaft ist tatsächlich atemberaubend schön, wir kamen aus dem „Ah!“-und-„Oh!“-Sagen gar nicht mehr raus. „Guck mal, wie in der Toskana!“ war auch ein sehr beliebter Ausruf.
Sowohl PB Valley als auch Gran Monte liegen an einer Nebenstrasse der Pansuk-Kudla Road und sind sehr gut ausgeschildert.
Gran Monte ist das jüngste und modernste der drei Anwesen. Das 40-Hektar-große Weingut ist von bescheidener Größe aber wie gemalt, es sieht so aus, wie man sich ein Weingut in Kalifornien oder Australien vorstellt. Weingut und Landschaft sind makellos.
Der Eigentümer des Weingutes, Visooth Lohitnavy, hat in Deutschland studiert. „Wissen Sie, ich bin kein Biertrinker und als Student in Deutschland habe ich gerne Wein getrunken, obwohl er viel teurer war als Bier. Damals habe ich mir geschworen, irgendwann hast Du mal Dein eigenes Weingut und produzierst selber Wein.“, erklärt uns Visooth. Der frühere Manager multinationaler Unternehmen in Thailand ist sehr international in seiner Lebensauffassung und er ist ein guter Vermarkter: seine Weine tragen den europäisch klingenden Namen Gran Monte und die Flaschenlabel sind modern designed. Im freundlich-hellen und gut organisierten Verkostungsraum ‚Montino’ erklärt uns Visooths Tochter Nikki mit viel Fachwissen jeden einzelnen Wein den wir probieren. Sie studiert momentan Önologie (Weinkunde) an der Universität von Adelaide und soll bald den Familienbetrieb übernehmen.
Vor allem die Rotweine haben uns extrem gut gefallen. Der Verkostungsraum dient auch als Laden und bietet so ziemlich alles, was Weinliebhaber wünschen könnten: Weingläser, Korkenzieher, T-Shirts, Traubenkern-Kosmetik, vier verschiedene Traubensäfte (Shiraz, Rosé, Weiß und Rot), Gebäck, Marmelade und Salat-Dressings – und natürlich Wein! Interessanterweise werden hier auch die Weine anderer thailändischer Winzer verkauft – was allerdings nicht überrascht, wenn man weiß, dass Visooth der Präsident der Thailand Wine Association ist. An Wochenenden hat man gute Chancen ihn selbst hier zu treffen und mit ihm ein bisschen über die Gran Monte Weine zu fachsimpeln. In erster Linie sind das fruchtige Shiraz mit Eichengeschmack und frisch-fruchtige Chenin Blancs.
Nach unserer Weinprobe machen wir einen kleinen Spaziergang. Tatsächlich spaziert man hier durch Visooths Wochenend-Domizil, aber er hat nichts dagegen, dass Besucher die verschiedenen Bäume, Sträucher und Blumen bestaunen, die seine Frau sorgfältig beschildert hat. Zum Mittagessen nehmen wir Platz auf der wunderschönen Terrasse des ‚VinCotto’, ein lauschiges Restaurant mit nur sechs Tischen. Bei cooler Lounge-Musik und hervorragendem Gran Monte Wein probieren wir Kürbis-Suppe mit Senfsamen (85 Baht), Garnelensalad mit Trauben (180 Baht) und Jakobsmuscheln mit gebackenem Spinat und Käse (320 Baht). Als Hauptgang gibt es Coq au Vin (280 Baht) und Lammkotelettes in Rotwein (290 Baht). Nach einem Espresso Macchiato zum Abschluss sind wir vollkommen zufrieden gestellt. Noch kurz die Kiste Wein, die wir für die nächste Party geordert haben, in den Kofferraum laden und wir sind abfahrbereit.
Gründungsvater
Ursprünglich „Khao Yai Winery“ nennt sich das Weingut nun großzügigerweise „PB Valley Khao Yai Winery“ – damit die Konsumenten nicht denken, es wäre das einzige Weingut in der Region. „PB“ sind die Initialen von Piya Bhirombhakdi, dem auch die Fluglinie PB Air gehört und dessen Familie Eigentümer des Singha Imperiums ist. Piya und Visooth sind seit vier Jahrzehnten dicke Freunde und immer noch ganz eng. Tatsächlich werden die Gran Monte Weine von PB Valley verarbeitet – aus den Gran Monte Trauben.
Verglichen mit Village Farm und Gran Monte ist PB Valley ein Riesen-Unternehmen mit 200 Hektar Weinbergen verteilt auf 800 Hektar Land. Das Weingut produziert über 500.000 Flaschen Wein im Jahr. Alles ist hier hochmodern mit Edelstahltanks und computergesteuerter Temperaturkontrolle. Wenn man noch nie ein Weingut von innen gesehen hat, ist die eine Tour ziemlich beeindruckend – vor allem wenn sie von Piya persönlich geführt wird. Die Weintour mit Mittagsmenü gibt es zum Paketpreis von 350 Baht und sie findet regelmäßig an Wochenenden um 11 und 16 Uhr statt (während der Woche nach Absprache). Nach der Weintour kann man für 60 Baht pro Glass die Weine probieren. Unter dem Etikett ‚PB’ gibt es einen grundsoliden Rotwein (Shiraz), einen Weißen (Chenin Blanc) und einen Rosé. Auf der Preisskala zwei Stufen höher liegen die ‚Pirom Reserve’ Weine: ein sehr frischer Weißwein aus Chenin Blanc und Colombard Trauben (700 Baht) und ein Roter (800 Baht) weitestgehend aus Tempranillo Trauben (mit 15 Prozent Shiraz). PB Valley bietet übrigens auch Zimmer an – eher simpel.
Wann?
Wenn man gerne Fotos macht von Weinreben voller dicker Trauben, ist die beste Zeit zwischen August und der Ernte im Februar. Um etwas vom Keltern mitzubekommen, sollte man direkt nach der Ernte hinfahren, sprich im März.
Mein Schwiegervater hat schließlich mehr thailändischen Wein nach Deutschland getragen, als zu Beginn seiner Reise Moselwein nach Bangkok. Übrigens darf man 2 Liter Wein zollfrei nach Deutschland einführen.
ANFAHRT:
Von Bangkok nach Gran Monte/PB Valley:
Fahren Sie die Pahonyothin Road (Highway 1) und wechseln Sie dann auf die Mitraphab Road (Highway 2). Direkt nach Kilometer 144 U-Turn und dann links einbiegen in die Kudkla-Pansuk Road. Den Schildern zu Gran Monte/PB Valley folgen.
Von Bangkok zur Village Farm:
Fahren Sie auf dem Chonburi Motorway (7) nach Kabinburi. Auf die Route 304 abbiegen und nach ca. 145 Kilometern Ausschau halten nach dem Village Farm Schild auf der rechten Seite.
ADRESSEN:
Gran Monte Estate Family Vineyards, 52 Moo 9, Phausak-Kudla Road, Khao Yai, Pak Chong, Nakorn Ratchasima, 036 227 334, http://www.granmonte.com
PB Valley Khao Yai Winery, 102 Moo 5, Mitrapab Road, Payayen, Pak Chong, Nakorn Ratchasima, 036 226 393, www.khaoyaiwinery.com
Village Farm & Winery, 103 Moo 7, Tambon Thasamakee, Wang Nam Khieo, Nakorn Ratchasima, 044 228 407, www.villagefarm.co.th
THAI-WEIN
Früher war man der Auffassung, dass Weinanbau nur zwischen dem dreißigsten und 50ten Grad nördlicher und südlicher Länge möglich ist. Das hat sich in den letzten zehn Jahren allerdings geändert, seit viele Länder ausserhalb dieses Bereiches Weine in hoher Qualität den Konsumenten präsentiert haben. Im Jahre 2004 kreiirte der Weinkritker Frank Norel den Begriff “New Latitude Wine” (Wein neuer Längengrade).
Zahllose Artikel sind über thailändischen Wein geschrieben worden, auf einen sind die Winzer besonders stolz: in seinem Artikel “Thai-Wine-Land” schrieb der weltbekannte Weinkenner Stuart Pigott “Das Land hat nicht nur Landwein, sondern auch Rot- und Weißweine bei denen der Experte denkt sie kämen aus Frankreich.”
Ungefähr 1200 Menschen arbeiten momentan in der thailändischen Weinindustrie. Aufgrund des subtropischen Klimas gibt es zwei Ernten pro Jahr: die Sommerernte im Juli/August und die Winterernte im Februar/März. Die Jahresproduktion liegt bei fast einer Millionen Flaschen.
Vier thailändische Weine sind in den Top 12 der besten asiatischen Weine des Australian Wine Selector Magazine.
Bei der awc Wien 2006 , dem weltweit zweitgrößten Weinwettbewerb gab es die Silbermedaille mit 86,9 Punkten in der Shiraz Klasse.
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Hallo,
wir waren vor über 15 Jahren im Khao Yia NP, damals war Weinanbau noch kein Thema.
Heute kam ich durch Zufall im Fernsehen bei NDR auf dem Bericht: Mit dem Orient-Express nach Laos.
Der Zug stoppte an mehreren Orten, u. a. beim NP und ich sah das Weingut.
Eine total gute Bereicherung für Thailand. Das Weingut ist perfekt geführt und wird gut gemanagt.
Bei der Erfahrung, mit der Lehre in D muss es ein Erfolg werden.
Beim nächsten Aufenthalt in Thailand, sind wir dort.
Der Shiraz wird getestet.