Hanoi – das kleine Paris Asiens
Beitrag von Alexander Grawe on 11/30/06 • Kategorie Asien Stories,Drehorte,Reise Tipps

Sozialistische Souveniers
In anderthalb Stunden ist man dort, immer noch Asien und dennoch ein ganz anderes Flair als in Thailand. Visum erstellt jedes Reisebüro in wenigen Tagen, die Einreise ist unkompliziert. Das sozialistische Nachbarland mit der traurigen Vergangenheit entwickelt sich mit rasender Geschwindigkeit. McDonalds und Starbucks werden Sie vergeblich suchen, aber dennoch den Urlaubsstandard finden, den Sie als womöglich verwöhnter Europäer benötigen. Uns sind die Vietnamesen in Hanoi stets freundlich zurückhaltend begegnet – kein lästiges Verkäufer-Generve aber trotzdem immer geschäftstüchtig und hilfsbereit.
Unsere Hanoi-Tipps – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Shopping
Wer Mega-Malls á la Siam Paragon erwartet hat, wird enttäuscht sein. Für Schnäppchen-Jäger ist die Altstadt allerdings ein Paradies. Ziellos herumschlendern macht Spaß – Hanois Strassen sind nach den Waren benannt, die dort gehandelt werden. Eines haben die Schmiedegasse, der Seidenweg, der Grabsteinboulevard und die Apothekenallee gemeinsam: unglaubliches Verkehrschaos. Hanoi lässt Bangkok wie eine verkehrsberuhigte Zone aussehen. Die Überlebenstaktik ist ähnlich: auf ein paar Einheimische warten, mit ihnen die Strasse überqueren, stur geradeaus blicken und weder Richtung noch Geschwindigkeit verändern. Und das Wichtigste: Nicht die Nerven verlieren, bis die andere Seite erreicht ist – egal wie viele Moped-Kamikazes dauerhupen.

Rush Hour rund um die Uhr
Vor allem in den Strassen Nha Tho, Hang Gai und Hang Trong drängt sich eine kleine Boutique an die nächste. Dort gibt es Mode, Seide, Taschen, Haushaltswaren und tausend andere nutzlose aber hübsche Dinge, die man unbedingt haben muss.
Tipp: die Seidenläden verkaufen günstige Seidenschlafsäcke – ein unentbehrliches Accessoire für den modernen Globetrotter. Da wird die ekligste Miefkoje in der letzten Absteige zu einem Himmelbett.
Auffällig ist die Masse an bestickten Handtaschen – Damen aufgepasst! – frau kann problemlos mit einer neuen Tasche für jeden Wochentag heimkommen. Der Laden, in dem die Taschen-Manie anfing, heisst Ipa Nima (59G Hai Ba Trung, +84 4 942 1872).

Handtaschen-Paradies Hanoi
Kunst gibt es jede Menge in Hanoi und zwar in jeglicher Qualität. Wer das Budget für mehr als das allgegenwärtige „Drei Frauen mit Reishut“ hat - echte Kenner werden sich in dieser renommierten Galerien wohlfühlen: Apricot (40 Hang Bong St., +84 4 828 8965), Art Vietnam ( 30 Hang Than, +84 4 927 2349) und Mai Gallery (183 Hang Bong St., +84 4 8285854).
Bei wem sich zuhause schon Buddhastatuen, Apsara-Tänzerinnen und Ganesh-Skulpturen stapeln, für den ist zur Abwechslung Van Hoa Viet (1 Trang Thi St., +84 4 934 7417) der richtige Antiquitätenladen. Vor ein paar Jahren verkaufte man hier noch die üblichen Vietnam-Souveniers, bis der Besitzer eines Tages zu seiner Frau sagte: „Wir müssen den Touristen was anderes bieten!“ Und weil die meisten Vietnam-Besucher nicht in die ländlichen Regionen kommen, hat er sich dorthin auf den Weg gemacht. In diesen vornehmlich katholischen Gegenden hat er Heiligenfiguren, geschnitzte Kreuze, Marienbilder und Jesus-Statuen gekauft. Sein kleiner Laden wirkt nun gar nicht mehr asiatisch, man fühlt sich eher wie in Südamerika oder Italien.
Sightseeing
Die eigentliche Sehenswürdigkeit Hanois ist die gesamte Altstadt: Die kleinen französisch angehauchten Alleen und die Promenade am See.
Einige wenige Sightseeing-Höhepunkte sollte man aber nicht verpassen:
Wer kann schon widerstehen, den einbalsamierten Ho Chi Minh in seinem Mausoleum zu besuchen? Diese etwas skurrile Sehenswürdigkeit befindet sich beim Ba Dinh Square. Achtung: Fotoapparate und Videokameras müssen im Ticketbüro abgegeben werden, geöffnet ist es täglich nur von 7:30 bis 11 Uhr. Jeden Freitag ist es geschlossen und außerdem jedes Jahr für etwa einen Monat – da wird der Volksheld zu Restaurierungsarbeiten nach Moskau geflogen (zu Lenins Einbalsamierern übrigens). In der Nachbarschaft gibt es noch ein Museum und die wenig spektakuläre „One Pillar Pagoda“.

Ho Chi Minh Mausoleum
Berühmt: das Hanoier Wasserpuppentheater. (Thang Long Water Puppet Theater, 57B Dinh Tien Hoang, +84 4 824 9494).
Trinken
Die vietnamesische Küche erfreut auf den ersten Blick jeden Vegetarier: frisches knackiges Gemüse, Kräuter und Reisnudeln. Erst nach einer Weile werden sie realisieren, dass Vietnamesen außer dem auch so ziemlich alles und zwar wirklich alles essen. Hund, Katze, Maus werden ihnen als Tourist wohl kaum angeboten, aber fritierte Rinderhoden oder gegrillter Frosch mit Schlangenblut findet man auf vielen Speisekarten. Wenn sie nicht gerade ein Freund von Kutteln ist, sollten sie nicht allzu sorglos alles probieren.

Bia Hoi
Überhaupt kein Risiko gehen sie beim Bier ein. Nirgendwo in Asien habe ich jemals so leckeres Fassbier getrunken. „Bia Hoi“ heisst so viel wie frisches Bier. Irgendwann hat es wohl mal einen tschechischen Braumeister nach Hanoi verschlagen und der hat den Vietnamesen beigebracht, ein Bier zu brauen, dass so hervorragend schmeckt, wie das berühmte „Pilsner Urquell“ – ach was sag ich – besser! „Bia Hoi“ nennen sich auch die sehr einfachen Biergärten, in denen das eiskalte Fassbier in dicken Gläsern ausgeschenkt wird. Meiner Reisebegleiterin bin ich, glaube ich, gehörig auf die Nerven gegangen. An jedem dieser Biergärten – und davon gibt es viele in Hanoi – rief ich verzückt „Bia Hoi“ und hätte schon morgens mein Erstes trinken können. Nur ihr habe ich es zu verdanken, dass ich den Rest unserer Reise (nach Entdeckung des Bia Hois) nicht im Alkoholrausch erlebt habe. Noch heute wache ich gelegentlich mit trockener Kehle auf und habe den Ruf „Bia Hoi“ auf den Lippen. Glauben Sie nicht? Dann probieren sie es erstmal.

Vietnamesen beim Feierabend-Bia
Essen
In einer Straße, die Cha Ca heißt gibt es ein Restaurant, das Cha Ca heißt und das serviert nur ein Gericht und das heisst – dreimal dürfen sie raten: Cha Ca!
Das Ganze ist „monkfish“, ein weißer Fisch, bei großer Hitze in Erdnussöl gebraten mit Dill, Gelbwurz, Reisnudeln und Erdnüssen – es ist köstlich! Das Restaurant ist ziemlich schäbig und die Bedienungen ziemlich gleichgültig, aber das macht es gerade aus. Man kann sich voll aufs Essen konzentrieren. Die Bestellung beschränkt sich darauf zu sagen, wie viele Personen essen (pro Person ca. Euro 3,50) und wie viele Bier- und Soda-Flaschen man will.
Und danach ist man sich selbst überlassen. Wenn man Glück hat, bekommt man noch ungeduldig gezeigt, wie man die Zutaten in der Pfanne, die auf einem Holzkohle-Tischgrill rot glüht, zusammenrührt.
Das Gericht ist, vorsichtig ausgedrückt, sehr reichhaltig. Es macht riesig Spass und garantiert einen unterhaltsamen Abend.
Sagen Sie bloss „Cha Ca“ und jeder Taxifahrer wird sie hinbringen. Vermeiden Sie billige Kopien – nur das „Cha Ca La Vong“ (14 Cha Ca St, +84 4 825 3929) ist das wahre Erlebnis!
Koloniale Villen gibt es in Hanoi noch dutzendfach und viele sind heutzutage Restaurants. Begeistert waren wir vom „Emperor“ (18B Le Thanh Tong St., +84 4 826 8801). Freundlicher Service, hervorragendes Essen und perfekte Atmosphäre – uns war es den teureren Preis wert.
Das Nationalgericht ist neben Frühlingsrollen eine Suppe – „Pho“ genannt. Das „Pho 24“ (Hai Ba Trung) serviert – wie der Name schon sagt – 24 Stunden am Tag die wirklich köstliche Suppe in sehr cleaner Atmosphäre. Wer mutiger ist, kann sie auch bei einer der vielen mobilen Küchen probieren.
Anreise
Außer den Linienflügen gibt es günstige Non-Stop-Verbindungen mit der Billigairline Airasia. Wir haben Flüge für 999 Baht pro Person und Strecke ergattert – dafür braucht man aber etwas Glück. Wenn man mit den Reisedaten flexibel ist, wird es einfacher.

Souveniers in Hanois Altstadt
Hotels
Wer die entsprechende Reisekasse hat, muss praktisch im Sofitel Metropole (15 Ngo Quyen, + 84 4 826 3535, www.sofitel.com) wohnen. Das altehrwürdige Hotel ist fast so legendär wie das Oriental in Bangkok oder das Raffles in Singapur. Ab etwa 120 Euro kann man sich dort in gestärkte Bettleinen fallen lassen. (Achtung: es gibt in Hanoi noch ein zweites Sofitel – das „Plaza“ ist aber ein eher uncharmantes Businesshotel etwas außerhalb. Nicht verwechseln!)
Deutlich günstiger ist das Heart Hotel (11b Hang Hanh, Tel. +84 4 9286682, www.heart-hotel.com) Das schmale Gebäude ist Hotel und Kunstgalerie in einem und liegt mitten in der Altstadt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist unschlagbar. Etwa 20 Euro zahlt man für eine Nacht. Die Zimmer sind frisch renoviert, makellos sauber und geschmackvoll mit dunklen Holzmöbeln eingerichtet, Minibar und Kabelfernsehen sind vorhanden – vom kleinen Balkon hat man einen Blick auf den Hoam Kien See. Sehr freundliches Personal. Das Frühstück wird in der Galerie serviert – zwischen Gemälden gibt es französisches Baguette, Rührei und Marmelade, dazu einen Café au Lait. Sehr bohemian!
Alternative: „The Zephyr“ (4 Ba Trieu St., +84 4 934 1256, www.zephyrhotel.com.vn) liegt auch in der Altstadt in der Nähe des Sees. Gelobt wird dieses Hotel für seinen Charme, die Sauberkeit und den freundlichen Service.


