Flip Flops: der demokratische Schuh

Flip Flops aus Asien

Flip Flops aus Asien

Plötzlich sind sie alle verschwunden…

…dabei besitze ich doch sechs Paar. Ratlos stehe ich barfuss vor unserer Tür.

Unsere Maid weiß bestimmt wo meine Flip-Flops sind. Sie ist gerade mit Klimaanlagentechnikern im Haus unterwegs. Aber fragen muss ich sie gar nicht mehr, denn da sind sie – an den Füssen der Handwerker. Der Chef trägt meine schwarzen Lieblings-Flip-Flops, die ich letztes Mal in Deutschland für teure 16 Euro gekauft habe. Und der Lehrling schlurft in den echten Havaianas, die ich vor Jahren in Rio de Janeiro erstanden habe! Zugegebenermaßen ist meine Toleranz und Geduld hier auf eine harte Probe gestellt.

Aus thailändischer Sicht ist das aber total logisch: Weil die Klimaanlage im ersten Stock defekt ist, mussten die Handwerker durchs Haus gehen und haben – wie sich das in Thailand gehört – die Straßenschuhe ausgezogen. Oben mussten sie dann aber wieder raus auf den Balkon, denn da steht der Kompressor. Also brauchten sie Schuhe – meine!
Wir Europäer verleihen unsere Schuhe aber nicht oder teilen sie etwa mit unseren Kollegen. In Thailand ist das eine vollkommene Selbstverständlichkeit. Flip-Flops sind für alle da und wer mal nach draußen geht, nimmt sich die, die gerade rum liegen. In fast allen thailändischen Hotels wird man auf dem Zimmer auch zwei Paar Flip-Flops finden. Nicht die Einmal-Schlappen aus Frottee, wie in den Luxushotels, sondern die Klassiker aus Kunststoff – oft auch schon mit deutlichen Gebrauchsspuren.

Einst Badelatschen, heute Trend

Früher hat man sie abfällig „Badelatschen“ genannt, da waren sie noch nicht trendy – ganz im Gegenteil. Am lustigsten finde ich übrigens den Begriff „Zehentanga“. Der Name „Flip-Flop“ ist eigentlich ein lautmalerischer Begriff, der das Geräusch das beim Gehen entsteht beschreibt. In Tansania wird der Plastikschuh übrigens „Malappa“ genannt – afrikanische Ohren hören offenbar das Geräusch ein wenig anders. Für alle die mit Fachwissen angeben wollen: man nennt das ein Onomatopoetikum, genau wie zum Beispiel der „Kuckuck“.
In Deutschland hat sich 1997 die Triathletin Stefanie Schulze „flip-flop“ beim Marken- und Patentamt schützen lassen. Allein von dieser Marke werden jedes Jahr über zweihunderttausend Exemplare verkauft. In anderen Ländern ist der Begriff „flip flop“ keine geschützte Marke. Weltgrößter Hersteller ist die brasilianische Marke „Havaianas“. Seit 1962 hat der angeblich 2,3 Milliarden Paare produziert.

Ann Shoes Factory

Ann Shoes Factory

Ann Shoes Factory in Bangkok

Flip-Flops werden fast ausschließlich in Asien produziert. Unter anderem auch in Thailand. In Ann Shoes Factory in Bangkok werden jeden Tag 1.200 Paare hergestellt. Arbeitsbeginn ist jeden Tag um drei Uhr morgens, denn dann kommen die Markthändler um Ware einzukaufen. Der Großhandelspreis für ein Paar liegt bei 29 Baht (also rund 60 Eurocent). Auf Thailands Märkten kann man sie dann für 49 bis 69 Baht (1,- bis 1,40 Euro) kaufen. Die 33-jährige Chefin Khun Sompan Srikeaw weiß, dass inzwischen Flip-Flops in Europa trendige Mode sind und dort oft mehr als das zehnfache kosten. Deshalb plant sie bald auch selbst nach Hong Kong und Europa zu exportieren.
Die teuersten Flip-Flops der Welt wurden übrigens für 17.000 US-Dollar (rund 13.000 Euro) verkauft. Der Juwelier H. Stern hat diese Luxus-Sandalen mit über 1.500 Goldfedern und Diamanten besetzt. Es wurde nur ein einziges Paar hergestellt.
In der westlichen Welt gelten Flip-Flops als Modeaccessoire. Vor allem Frauen neigen dazu sich die günstigen Schlappen in allen erdenklichen Farben zu kaufen um sie mit dem Rest der Garderobe passend zu kombinieren.
In anderen Teilen der Welt, vor allem in den wärmeren, wie zum Beispiel hier in Thailand, sieht man die Schuhe vor allem an den Füssen ärmerer Menschen. Dabei sind Flip Flops unter orthopädischen, hygienischen und funktionellen Gesichtspunkten, so meinen Experten in Europa, als normale Alltagsfußbekleidung ungeeignet. Die Thailänder scheint das nicht zu kümmern. Mit einem Freund habe ich mal den höchsten Berg Thailands, den Doi Inthanon, bestiegen. Wir beide hatten ultramoderne atmungsaktive Tropen-Trekking-Stiefel – unser thailändischer Führer ein paar abgelatschte Flip-Flops. Während wir uns verschwitzt und keuchend hoch schleppten, schlurfte er, wie wohl jeden Tag, ganz entspannt dem Gipfel zu.

Ach übrigens, in Bangkok gelten Flip Flops nicht als trendige Mode. Schicke Bars und Hotels verwehren Schlappenträgern den Zutritt.

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