Das Mercycentre in Bangkok – Ort der Hoffnung
Beitrag von christinagrawe on 8/21/09 • Kategorie Asien Stories

Mercycentre Bangkok
Ich habe einen Knutschfleck. Ja, so richtig, einen blauen Fleck am Hals, deutlich sichtbar. Der Schuldige? Nicht mein Mann! ”Oho”, werden Sie denken! Aber ich bin glücklich über diesen Knutschfleck, denn er ist von einem Thailänder, in den ich ein bisschen verliebt bin! “Das wird ja immer schlimmer!” schütteln Sie jetzt sicherlich den Kopf. Na gut, die Erklärung: Besagter Thailänder ist ein noch ziemlich kleiner Mann, 10 Monate alt und den blauen Fleck hat er mir nicht erknutscht, sondern er hat einfach zu feste an meinen Hals gegrabscht. Warum ich mich so freue über diesen blauen Fleck?? Der kleine Junge heißt “Big”, ein symbolischer Name, den man ihm gab, um ihm Kraft zu verleihen.
Man nannte ihn “Big”, um ihm Kraft zu verleihen.
Bigs Start ins Leben war nämlich alles andere als kraftvoll. Er kam mit dem HIV-Virus zur Welt. Seine Mutter – im fortgeschrittenen Stadium aidskrank – hatte ihn angesteckt. Nicht nur mit HIV, sondern auch mit TB. Die Schwangerschaft hatte sie so sehr geschwächt, dass sie nun – völlig abgemagert und apathisch – auf der Sterbestation liegt. Auch Big war ein jämmerlicher Anblick, als ich ihn vor 6 Monaten das erste Mal sah. Mutter und Baby waren durch glückliche Umstände in Bangkoks Mercycentre gelandet. Bigs Mutter wird hier immerhin würdevoll und liebevoll gepflegt ihre letzten Wochen verbringen dürfen. Auch für das Baby sah die Zukunft nicht rosig aus zu Beginn. Big konnte nicht lachen, war dünn und sah aus, als würde er den nächsten Tag nicht überleben. Ein schwerkrankes teilnahmsloses Baby, dessen Anblick mir das Herz schmerzen ließ. Die nächsten Monate verbrachte er immer wieder wochenlang im Krankenhaus, zum Glück mit einer liebevollen Pflege-Ersatzmutter an seiner Seite: Mae Gung, die seit Bigs Ankunft im Heim jede Nacht an seiner Seite lag, im Krankenhaus und im Heim.
Er lächelt …
Jedes Mal, wenn ich zum Mercycentre kam, war ich eigentlich auf eine traurige Nachricht über den kleinen Big eingestellt. Meist sagte man mir “Er schläft, er hat wieder Fieber!” oder “Er ist seit gestern wieder im Krankenhaus, braucht Infusionen.” Letztes Wochenende aber kam ich dorthin und fand eine strahlende Mae Gung und einen lächelnden Big vor. Ich erkannte ihn kaum wieder. Der Kleine ist mittlerweile 10 Monate alt, sieht zwar immer noch aus wie maximal 5 Monate, aber er hat ein bisschen Speck angesetzt. Er verträgt die neue Spezialnahrung jetzt sehr gut und auch alle anderen Medikamente sind nun offenbar richtig auf den kleinen Körper eingestellt. Und – er lächelte, zappelte und griff energisch feste an meinen Hals! Und das ist der Grund, warum dieser blaue Fleck der schönste der Welt ist.


