Das Klischee – Eine Tour in das Bangkok der Romane und Krimis.

Kaum eine andere Stadt wird in Literatur und Film so düster dargestellt wie Bangkok. Ein bedrohlicher und feindseliger Moloch mit dunklen Gassen in strömendem Regen, zuckenden Neonreklamen, tätowierten Zuhältern und chinesischer Mafia.

Ich persönlich habe ein ganz anderes Bild von Bangkok: ich finde Bangkok hell und grün und freundlich. In kaum einer anderen Millionen-Metropole habe ich mich je so sicher gefühlt.

Aber gut, wer das düstere Bangkok-Klischee unbedingt bestätigt haben möchte, für den haben wir eine ganz spezielle Stadt-Tour recherchiert – für alle Fans des Makabren.

Nichts für Zartbesaitete!

Nichts für Zartbesaitete!

Forensisches Museum

Wer auf Sonderbares steht, ist hier genau richtig. Das Museum ist ein echtes Gruselkabinett. Zunächst trifft man auf einbalsamierte Leichen von Mördern. Der absolute Publikumsliebling ist da Si Quey, der in den Fünfziger Jahren als Massenmörder und Kannibale in Bangkok unterwegs war. Seine Leiche ist mit Paraffin gefüllt und man sieht deutlich die Autopsie-Narbe auf der Stirn. Sein Gehirn wurde damals entnommen um festzustellen, ob das Hirn eines Kannibalen anders ist als  das eines normalen Menschen (ist es übrigens nicht). Nach eigener Aussage hat Si Quey damals getötet „weil er Menschenfleisch mochte, nicht aus Hunger.“

Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist der Kopf eines Mannes der per Kopfschuss getötet wurde. In zwei mit Formaldehyd gefüllten Aquarien schwimmen die beiden Hälften seines fein säuberlich durchsägten Schädels. Den Weg den die Kugel durch sein Gehirn genommen hat, ist perfekt zu erkennen.

Besonders bedrückend sind diverse Fehlgeburten und ein ertrunkener Säugling, alle in Formaldehyd eingelegt. Viele thailändische Besucher legen vor den Glasbehältern Bonbons oder kleine Spielzeuge ab.

Adresse: zweiter Stock, Adulaydejvigrom Building. Gebäude 28 des Sriraj Hospitals an der Phrannok Road
Öffnungszeiten: Montag-Freitag, 9 bis 16 Uhr
Eintritt: 40 Baht

Sao Ching Cha

Die Große Schaukel “Sao Ching Cha” 1784 errichtet und wurde für eine brahmanische Zeremonie genutzt, die jährlich stattfand.

Diese gefährlichen Schaukel-Wettkämpfe wurden 1935 aufgegeben, weil es einfach zu viele Todesfälle gab. Nach brahmanischem Glauben stieg Phra Isuan jedes Jahr für zehn Tage vom Himmel und musste unterhalten werden. Jedes Team hatte vier brahmanische junge Männer, die sich jeweils auf der Schaukel immer höher schwangen, bis sie einen Bambuspfahl mit einen Beutel erreichten, der 3 Tamlung (heute etwa 12 Baht) enthielt. Ziel war es den Beutel mit den Zähnen vom Bambusstock zu greifen. Dazu musste eine Höhe von 25 Metern erreicht werden, die Schaukel musste also praktisch horizontal stehen, um die Tasche zu ergreifen. Bei einem Fehler fiel man aus großer Höhe zu Boden oder schlug mit dem Kopf auf das Bambusrohr. Schwere Verletzungen oder der Tod waren die Folge. Heute steht nur noch die Schaukel – eine Nachbildung aus 1919.

Adresse: vor dem Tempel Wat Suthat, 146 Bamrungmuang Road
Öffnungszeiten: Schaukel ist immer zugänglich, Tempel: 9 bis 17 Uhr
Eintritt: frei

Elefanten Fußball

Elefanten Fußball

Corrections Museum

Der gesamte Romanee Lert Park war früher das Bangkok Remand Prison. Wo heute Jogger und Liebespaare unterwegs sind, waren bis 1990 noch Zellenblocks. Einige Wachtürme stehen heute noch und auch vier ehemalige Gefängnisgebäude. In Gebäude 2 ist eine Foto-Ausstellung über den König und in Gebäude 3 kann man Möbel kaufen, die von Häftlingen gefertigt wurden. Gruselig wird es in Gebäude 1. Dort wird die Geschichte der Todesstrafe in Thailand mehr als anschaulich dargestellt. Bis 1934 wurde in Thailand mit dem Schwert exekutiert. Zwei Henker schlugen direkt nacheinander, um einen schnellen Tod sicher zu stellen. Danach und noch bis 2001 wurden Erschießungen durchgeführt. Heute existiert in Thailand nach wie vor die Todesstrafe durch Giftinjektion.

Gebäude Nummer 4 ist ein ehemaliger Zellenblock. In den 36 Zellen werden verschiedene Folter- und Hinrichtungsinstrumente ausgestellt. Eine sehr thailändische Methode: der Häftling wurde in einen großen Rattan-Ball gepfercht in den von außen spitze Nägel nach innen durchgeschlagen wurden. Dann wurde der Ball Elefanten zum Fußballspielen gegeben.

Adresse: 436 Mahachai Road
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr
Eintritt: frei (es gibt eine Spendebox)

Schlangenblut-Bar

Haben Sie den Film „The Beach“ mit Leonardo di Caprio gesehen? Erinnern Sie sich an die Anfangsszene, wo er als Richard Schlangenblut trinkt? Sie dachten, dass wäre Hollywood-Phantasie und maßlos übertrieben? FALSCH! In Bangkok kann man tatsächlich Schlangenblut trinken, jeden Tag, ganz normal, nicht mal in irgendeinem Hinterzimmer.

Khlong Toey ist der berüchtigte Slum Bangkoks. (Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, lesen Sie mal das Buch „Welcome to the Bangkok Slaughterhouse“) Dort gibt es den Khlong Toey Markt – eine Sehenswürdigkeit an sich – und auf diesem Markt, direkt an der Straßenecke Rama 4 und Asok Road öffnet jeden Tag um 15 Uhr die Schlangenblut-Bar (eigentlich nur eine schäbige Marktbude mit Plastikstühlen). In großen verschmierten Flaschen bietet dort ein alter Chinese mit einem blinden Auge Schlangenblut gemischt mit Thai-Schnaps an. Na, dann Prost! Soll angeblich gut für die Potenz sein. Außerdem gibt es auch Cobra Curry, höllisch scharf!

Adresse: Ecke Rama 4 / Asok Road
Öffnungszeiten: ab 15 Uhr
Preis: pro Schlangenblut Schnaps

Die Ruamkatanju Foundation

Nicht weit von Patpong, dem berühmt-berüchtigten Rotlichtviertel Bangkoks liegt der Tempel einer buddhistischen Stiftung die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Verkehrs- oder Mordopfer einzusammeln. Das Büro ist rund um die Uhr geöffnet, und die freundlichen Angestellten und Freiwilligen berichten nur allzu gerne über das, was auf der dunklen Seite Bangkoks so alles passiert. In einem Glaskasten hängen Fotos aus, die keine Zeitung je drucken würde.

Im Durchschnitt sind pro Nacht ein halbes Dutzend Verkehrstote einzusammeln, dazu kommen immer mal Schießerei-Opfer und ab und zu auch mal eine Drogenleiche. Circa vier Selbstmörder pro Woche gilt es abzuholen und manchmal gibt es auch einen Touristen einzupacken, der sich mit einer der Prostituierten zuviel zugemutet hat.

Wer etwas Gutes tun will, kauft bei der Ruamkatanju Foundation einen Sarg für 500 Baht (ca. 11 Euro). In diesem Sarg wird dann ein unidentifiziertes oder mittelloses Todesopfer von der Foundation würdig bestattet. Die Einsatzzentrale der Ruamkatanju Foundation ist gleichzeitig ein Tempel – viele kommen regelmäßig her um zu spenden und zu beten. Die Spendenquittung wird im Tempel verbrannt. Das ist gut fürs eigene Karma und beschützt davor, selbst ein Unfallopfer zu werden.

Adresse: Ecke Rama 4 / Si Phraya Road
Öffnungszeiten: 24 Stunden
Eintritt: frei

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